Zukunftsmusik? Ja, aber wir können sie schon ziemlich deutlich hören! Ein Vortrag von Clifford Wolf und Philipp Tiefenbacher.
Bei uns waren heute, Sonntag, zwei kreative Köpfe vom Metalab zu Gast, mit einem selbstgebauten 3D-Plotter im Gepäck. Wie kann man sich sowas vorstellen? Ein 3D-Plotter erhitzt Kunststoff (der in Form eines langen Bandes in das Gerät eingezogen wird) bis über dessen Schmelzpunkt und trägt ihn dann schichtweise auf. So entsteht quasi stockwerkweise nach und nach das gewünschte Objekt.
Das entsprechende Modell wird vorher am Computer in einem CAD-Programm erstellt, auf diese ‚Stockwerke’ (also lauter planare Kurven) umgerechnet und direkt an den Plotter weitergegeben.
Die Herstellungskosten von Spritzgussformen klassischer Kunststoffelemente sind sehr hoch, doch ist die Gussform erst mal da, kann man damit einen Outpot von zweihunderttausend Stück pro Stunde erreichen. Das ist zwar sehr schnell und effizient, aber auch ein sehr „undemokratisches Verfahren“ (Philipp) – für Einzelstücke oder individuelle Bedürfnisse rechnet es sich einfach nicht. Mit einem 3D-Plotter ist es möglich, ganz gezielt einzelne Bauelemente herzustellen, die gerade benötigt werden. So spart man die Zeit, langwierig verschiedene Geschäfte abzuklappern, und kann diese besser in die Überlegung stecken, was genau gebraucht wird, und in die Kreativität, es zu designen.
Außerdem ist es mit dem Gerät möglich, Gegenstände zu plotten, die sich so nicht oder nur mit viel Mehraufwand oder zusätzlicher Nachbearbeitung gießen lassen: Hohlräume beispielsweise, oder auch (mit ein bisschen Stirdln) völlig Unzusammenhängendes (wie am beeindruckenden Beispiel einer voll funktionstüchtigen Trillerpfeife vorgeführt worden ist).
Philipp und Clifford verwenden bei ihrem Projekt nur Open-Source-Software, vor allem das von Clifford selbst geschriebene CAD-Programm OpenSCAD – und selbst die Hardware ist Open-Source: Das Gehäuse und die Einzelteile des Druckers bestehen aus einem Makerbot-Bausatz; und wie das halt nur mit Open-Source möglich ist, haben die beiden das Design verändert und das Metalab-Logo eingebaut.
Übrigens gibt es mittlerweile auch am Institut von Peter Purgathofer einen MakerBot-3D-Plotter – und die Metalabber streichen auch die Möglichkeit heraus, Diplomarbeiten oder andere Projekte in Zusammenarbeit mit diesem Institut oder dem Metalab (oder beiden) zu erarbeiten.
Metalab
Das Metalab ist ein offen betriebener Raum für technisch-kreative Projekte im ersten Wiener Gemeindebezirk.
OpenSCAD
Die von Clifford selbst geschriebene Software zum Modellieren von frei parametrisierbaren 3D-Objekten.
MakerBot
Hier gibts unter anderem das Kit zu kaufen, aus dem der Metalab-Drucker gebaut ist.
RepRap
Informationen über selbstreplizierende Open-Source-Hardware, also Maschinen, die sich selbst herstellen können.
reprap.soup.io
Philipps und Cliffords Blog über RepRap
Poliactide
PLA, ein biokompatibler Kunststoff, der für 3D-Plots verwendet werden kann. Als biokompatibel bezeichnet man Werkstoffe oder Baugruppen, die keinen negativen Einfluss auf Lebewesen in ihrer Umgebung haben. (www.wikipedia.org)
Thingiverse
‚Youtube für 3D-Designs und -Plots’. Eine Web2.0-Community, in der Bilder und Pläne raufgeladen werden können; andere Mitglieder können sich dann auch daran versuchen.
Peter Purgathofer
Persönliche Website von Peter Purgathofer, Fakultät für Informatik an der TU Wien














